Kommt der CBD-Hype nach Sachsen?

Während der einst langanhaltende Crystal-Meth Boom in Sachsen abflaut, wird im Freistaat eine neue Droge populär. Cannabis ist das neue Rauschgift der Wahl für viele, die einen Rausch suchen. Im Vergleich mit Crystal-Meth ist Cannabis harmlos, deswegen muss die Landesregierung Sachsens jetzt ihre Drogenpolitik neu überdenken.

In Leipzig eröffnete der erste CBD-Store Sachsens

International ist CBD der Hype im Bereich von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Denn aus diesem Bestandteil der Cannabis-Pflanze wird geradezu ein Allheilmittel gemacht. Gegen alle nur erdenklichen Gebrechen soll es helfen, gegen chronische Schmerzen, akute Schmerzen, Multiple Sklerose, Übelkeit durch Chemotherapie, gegen Angststörungen und gegen Depressionen. Während die meisten Medikamente gegen diese Leiden mit schweren Nebenwirkungen verbunden sind, wirkt CBD gut verträglich und scheinbar ohne jede Nebenwirkung.

Wenn ein Wirkstoff für die Behandlung von so vielen verschiedenen Krankheiten genutzt werden kann, dann ist auch die Lebensmittelindustrie interessiert und verkauft CBD in allen nur erdenklichen Formen. Wer möchte findet CBD-Blüten online oder in den ersten CBD-Stores. Aber man muss gar keine CBD-Joints rauchen, um die positive Wirkung von CBD auf Körper und Geist zu genießen. Denn CBD gibt es auch in Produkten wie Öl, CBD-Mehl, CBD-Tees, als Extrakt und vieles mehr. Sogar in Kosmetika ist CBD zu finden.

Im Gegensatz zu THC, dem anderen Wirkstoff der Cannabis-Pflanze ist CBD nicht psychoaktiv und deswegen auch frei verkäuflich. Bei CBD handelt es sich um den Wirkstoff Cannabidiol, der für die beruhigenden Effekte von Cannabis verantwortlich ist, während Tetrahydrocannabinol für den Rausch wirkt. Solange die Produkte, ob Blüten, Öle oder Kosmetika einen Anteil von weniger als 0,2 Prozent THC aufweisen, dürfen sie frei verkauft werden.

Cannabis legt das schmuddelige Kiffer-Image ab

Seit den 1970ern hat Cannabis ein bestimmtes Image. Die fünffingrigen Blätter erinnern an Hippies, an verqualmte Kellerräume, an Typen, die vor lauter Drogenkonsum, nicht mehr von ihrem Sofa aufstehen können und ihr Leben vernachlässigen.

Mit diesem Image räumt Johannes Eberl nur allzu gerne auf. Der Mixed-Martial-Arts und Judo-Leistungssportler hat vor wenigen Jahren in Leipzig den ersten CBD-Store Sachsens eröffnet. Er berichtet, dass er selbst, als aktiver Leistungssportler CBD wegen seiner therapeutischen Wirkung schätzt und nutzt. In seinem Laden Greentime CBD-Store verkauft er 70 verschiedene CBD-Produkte, die beruhigen und Schmerzen lindern können. Wer im Greentime Reggea-Musik, Bilder von Che Guevara und andere Cannabis-Deko erwartet, liegt falsch. Der Laden ist modern designt und könnte auch ein Apple-Store sein, so klar ist die Formensprache des Interieurs.

Das Geschäft von Johannes Eberl war nur das erste CBD-Geschäft in Sachsen. Auf den Greentime CBD-Store folgten noch mehr Geschäfte in Leipzig, in der Dresden und in kleineren Städten. Der CBD-Hype ist spätestens 2020 auch im Freistaat angekommen.

Der Hype begann in Deutschland spätestens, als in Kanada und einigen Bundesstaaten der USA Cannabis legalisiert worden ist. Zwar ist eine bundesweite Legalisierung von Cannabis in Deutschland noch nicht absehbar, aber 2017 hat die Bundesregierung die Cannabis-Gesetzgebung deutlich gelockert. Nicht nur dürfen seitdem CBD-Produkte (mit einem THC-Anteil von weniger als 0,2 Prozent) verkauft, sondern Cannabis an schwerkranke Patienten ausgegeben werden.

Während sich diejenigen über diese Entwicklung freuen, die in Cannabis eine harmlosere Droge als Tabak oder Alkohol sehen und von den positiven Effekten von CBD überzeugt sind, diskutiert die Öffentlichkeit fleißig darüber, wie mit diesem Hype umzugehen ist. Das Problem: Die Studienlage zu Cannabis und CBD ist den Worten der Techniker Krankenkasse nach „bestenfalls moderat.“

Viele Ärzte warnen aber vor einer Verteufelung von CBD. Nicht nur zeigen erste Erfahrungen mit CBD, dass es vielen Patienten mit diesem Wirkstoff besser geht, auch die CBD-Nahrungsergänzungsmittel seien für Erwachsene völlig unbedenklich. In diesen sei die Konzentration des Wirkstoffs viel zu gering.

Zwischen Leipzig und Dresden liegt eine legale Cannabis-Plantage

Um die steigende Nachfrage von Cannabis in Deutschland zu befriedigen hat die Bundesregierung zwei Firmen beauftragt, legal in Deutschland Cannabis zu produzieren. Natürlich nicht das Cannabis, das Johannes Eberl in seinem Laden verkauft, sondern das Cannabis von Döbelner Acker wird für die Produktion von Medikamenten produziert.

Trotzdem ist der Anbau von Cannabis in Deutschland sehr schwierig. Selbst für den Eigenbedarf dürfen Patienten so gut wie nie Hanf pflanzen. Die Landwirte, die indirekt im Auftrag der Bundesregierung Cannabis auf ihren Äckern anpflanzen, wissen um die Schwierigkeiten. Die Mitarbeiter des Bundesamts für Landwirtschaft und Ernährung prüfen mehrmals im Jahr die Pflanzen, die auf dem Acker von Landwirt Heinz Schönleber wachsen.

Cannabis könnte in Zukunft ein wertvolles Medikament sein

Der Hanf, den Heinz Schönleber anbaut, wird von der Pharmaindustrie zu Medikamenten weiterverarbeitet. Nur ein kleiner Teil des medizinischen Cannabis wird als Blüte geraucht. Denn hier ist die genaue Dosierung des Wirkstoffes schwierig. Daher wird Cannabis meistens eher in Form von Tabletten oder eines Mundsprays verschrieben. So können Ärzte sicherstellen, dass ihre Patienten immer die richtige Dosis Cannabis erhalten.

Erste Studien legen nahe, dass Cannabis gegen viele verschiedene Krankheiten helfen könnte. Die Techniker Krankenkasse bietet eine Übersicht. Cannabis könnte in Zukunft nicht nur Patienten mit chronischen Schmerzen die starken und schnell abhängig machenden Opiate ersparen, sondern auch gegen die Spastiken einer Multiplen Sklerose helfen, die Übelkeit einer Chemotherapie lindern, die Appetit von HIV und AIDS-Patienten steigern und die Auswüchse eine Angststörung lindern.

Diese Krankheiten werden heute oft mit Medikamenten behandelt, die starke Nebenwirkungen haben. Schmerzpatienten sind gegenwärtig auf starke Opiate angewiesen, die selbst in hohen Dosen die Schmerzen nicht immer lindern können, aber stark abhängig machen und zu Medikamenten-Missbrauch führen können. Psychische Krankheiten werden heute mit Antidepressive behandelt, die zu starker Müdigkeit oder schwer erträglichen Stimmungsschwankungen führen können.

Nicht nur CBD wird in Sachsen mehr nachgefragt

Während CBD (für Erwachsene) vollkommen harmlos ist und man bestenfalls über die Marketingstrategie hinter dem Hype die Stirn runzeln kann, steigt parallel auch der Konsum von konventionellem Cannabis in Sachsen an.

Während die sächsische Drogenpolitik im Kampf gegen Chrystal-Meth erfolgreich war, weichen immer mehr Jugendliche auf Cannabis aus, wenn sie mit ihren Problemen nicht mehr weiterwissen. Verglichen mit Chrystal ist Cannabis weitgehend harmlos, haben Studien ergeben.

Aber auch aus einer zweiten Perspektive stellt der gestiegene Cannabis-Konsum die sächsische Politik vor neue Herausforderungen. Die strenge Politik gegenüber Chrystal war erfolgreich und richtig, aber ist sie es auch gegenüber dem viel harmloseren Cannabis?

Die Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion in sächsischen Landtag hat in dieser Frage eine klare Position bezogen. Sie fordert mehr Prävention, mehr Jugendhilfe und mehr Gesundheitsschutz, anstatt Cannabis zu kriminalisieren. Denn eine strenge Strafverfolgung von Cannabis-Delikten führe lediglich zu hohen Kosten, die keinen Nutzen erfüllten. Eine Strafverfolgung von Cannabis ist laut einer Studie der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität „weitgehend wirkungslos und schädigt zudem Gesellschaft sowie Konsumenten.“ Auch ein Expertenkomitee der Weltgesundheitsorganisation WHO rät, Cannabis zu aus den Betäubungsmittelgesetzen zu streichen.

Quelle: https://lausitznews.de/

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